31. December 2021 - 19:00
In unseren Köpfen, wo Ideen der Veränderung entstehen
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Schüler für Schule: Unsere Schulsysteme brauchen Veränderung! | Friday, 31. December 2021

Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.



Diesen Ausspruch John F. Kennedys scheinen unsere Regierungen leider anders zu verstehen als ich.

Das liegt wohl an zwei Schwierigkeiten der Auffassung: Was ist Bildung? Und wie erreiche ich diese bestmöglich?



Laut Wikipedia ist Bildung „die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“, seine geistigen Fähigkeiten.“ Ein Bildungssystem muss demnach ein System sein, das Persönlichkeiten mit möglichst guten geistigen Fähigkeiten formt.

Gebildet ist man also nicht, wenn man nur die Fähigkeit besitzt, punktuell irgendwelche Tests zu bestehen, sondern wenn man über eine Persönlichkeit mit einem ausgereiften und omnipräsenten Wissen verfügt.



Leider wird in unserem Bildungssystem dennoch versucht, Bildung über einen sehr allgemeinen und uniformen Weg zu vermitteln.

Natürlich ist es wichtig, ein breites Allgemeinwissen zu besitzen, aber die für eine gute Bildung unabdingbare Formung der Persönlichkeit bedarf Individualität, denn eine Persönlichkeit muss sich als höchstes Maß persönlicher Intimität individuell entwickeln und nicht allgemein gelehrt werden. So eine vorgeschriebene „Persönlichkeit“ ist eine Form der von Kennedy bemängelten teuren fehlenden Bildung, denn ein Volk ohne Persönlichkeiten, ich möchte hierbei die *******, sich ständig wiederholende Persönlichkeit einer fehlenden Persönlichkeit gleichstellen, kann kein gebildetes Volk sein, es ist ein manipulierbares Volk, das sich jede Diktatur nur wünschen würde.



Ich möchte damit keinesfalls behaupten, dass unsere deutschen Bildungssysteme uns verdummen oder gar in eine Diktatur führen, sondern lediglich aufzeigen, was ein Bildungssystem ohne Individualität aus den zu Bildenden macht: nämlich überwiegende Persönlichkeitslosigkeit, die schon heute in weiten Teilen der Gesellschaft zu spüren ist. (Nicht zuletzt als ein entscheidender Grund einer zur Verdrossenheit führenden Politik)



Natürlich hat eine Persönlichkeit Ecken und Kanten, natürlich hat eine Persönlichkeit eine Meinung, natürlich lässt sich eine Persönlichkeit schwer manipulieren, warum sonst hat jede Diktatur Angst vor Persönlichkeit und Individualität?

Aber eine Demokratie sollte keine Angst vor Persönlichkeiten haben, sondern jede noch so anstößige Form der Individualität begrüßen, fördern und schützen, das ist nämlich die Aufgabe einer Demokratie!



Um konkret zu werden: Deutschland hat 16 verschiedene Schulsysteme, was schon kritikwürdig genug ist, da somit in einem demokratischen Staat Menschen nur wegen ihrer Herkunft in ihren Bildungschancen bevorteilt oder benachteiligt werden und auch eine daraus folgende Diskriminierung nicht auszuschließen ist, was nicht nur gegen den Grundsatz der Chancengleichheit, sondern auch gegen das höchste Gesetz (Artikel 3) dieses Staates verstößt, doch keines dieser 16 Schulsysteme ermöglicht dem Schüler genügend Individualität in Form von individueller Förderung oder Spezialisierung.

Die Schulsysteme formen die Schüler weder zu Persönlichkeiten, noch zu aus individuellen Fähigkeiten erwachsende Spezialisten, sondern zu Überlebenskünstlern.



Bildung erwächst aus Motivation und Motivation entsteht im Sehen eines Sinns des Tuns.

Man kann schließlich viel leichter etwas lernen, wenn man dies gern tut und einen Sinn darin sieht, dann bleibt dies auch länger im Gedächtnis und wird nicht nach dem Test sofort wieder gelöscht, weil das Ziel des Wissens erreicht ist. Das führt zu keiner Allgemeinbildung, sondern zu einem Durchmogeln und die Frage, ob die Wirtschaft eher Spezialisten braucht oder Überlebenskünstler dürfte sich erübrigen.



Bei einer Befragung von Schülern, ob sie gern in die Schule gehen, wird man aber ein relativ einstimmiges 'Nein' hören. Die Schüler sind in vielen Fächern desinteressiert, sehen keinen Sinn, sind unmotiviert und so lässt sich nichts lernen.

Dieses Desinteresse hat sicher mehrere Ursachen, zwei dürften jedoch äußerst signifikant sein:



1. Schüler sind unmotiviert, weil sie einfach nicht motiviert werden. Grund hierfür sind oft die diesbezüglich unzureichende Ausbildung der Lehrer, deren eigene Demotivation, die große Distanz zwischen Lehrern und Schülern u.a. auch durch die Überalterung ersterer. Die Lehrer sind schlichtweg überfordert, was sicher nicht zuletzt an den realitätsfernen, allgemeinen förderungs- und spezialisierungslosen Bildungssystemen liegt. Eine bessere Ausbildung zum Motivator und Berater in einem individuell spezialisierten Bildungssystem, in dem sich durch diese nähere Bindung Schüler und 'Lehrer' gegenseitig motivieren könnten, könnte diese Problem minimalisieren.



2. Schüler müssen auch in Themengebieten, in denen ihre Fähigkeiten und ihr generelles Interesse schwächer ausgeprägt sind als in anderen und dessen Inhalte sie nach der Schulausbildung nur peripher tangieren werden, Höchstleistungen erbringen, da auch diese Themengebiete enormen Einfluss auf die Qualität des Abschlusses haben, auch wenn betroffene Themen am späteren Arbeitsplatz nicht entscheiden, entscheidet doch der Grad des Abschlusses. Daher müssen die Schüler viel Lernzeit aufwenden, um sich diesen Fächern in Eigeninitiative zu widmen, welche für den entscheidenden Unterschied, für z.B. eine Einstellung beim späteren Wunscharbeitgeber, in der Spezialisierung der Fachgebiete (z.B. Praktika, Weiterbildungen, Seminare, Kurse, Nebenjobs, sonstige Nebentätigkeiten) fehlt. Spezialisierungen und Förderungen im Schulalltag sind deshalb von besonderen Nöten, dadurch kann wieder eine motivierte, interessierte und qualifizierte Zukunft entstehen. Weshalb haben wir denn einen Fachkräftemangel? Weil unsere Schulsysteme keine Spezialisierung zulassen, weil nicht von vornherein auf Qualifikation gesetzt wird und weil sich ein potentieller Ingenieur mit Dialoginterpretationen befassen muss.



Ein Umdenken in der Bildungspolitik ist deshalb längst fällig!

Die Bildungssysteme sind längst überholt! (Was im übrigen nicht nur die Pisa-Studien belegen, in denen Deutschland ja bekanntlich immer super abschneidet)

Bildung muss Bundessache werden und eine individuelle Förderung und Spezialisierung enthalten, um Chancengleichheit, Individualitätsentfaltung, Persönlichkeitsbildung und eine nachhaltige, gebildete Zukunft zu garantieren!

Wir Schüler (und ehemaligen Schüler) haben die Schwächen dieser Schulsysteme erkannt, weil wir sie zu spüren bekommen.

Natürlich können wir nicht sofort alles ändern aber wir können beginnen umzudenken, denn Veränderungen entstehen im Kopf.

Irgendwann werden auch Politik und Wirtschaft erkennen, dass diese Schulsysteme nicht ihren Interessen entsprechen aber wir können mit Umdenken und Denkanstößen dafür sorgen, dass dies nicht mehr 50 Jahre dauert.

Denken wir doch mal 50 Jahre zurück: Da lebte ein gewisser John F. Kennedy und er hat damals schon erkannt: Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.

Deshalb, Investition in Bildung mag teuer sein, aber es lohnt sich!



***** alle, die meiner oder ähnlicher Meinung sind teilnehmen und nicht vergessen, Freunde einzuladen ;)